1920-1934: Kultur im Schloss

Nachdem die Räterepublik durch die Intervention der Reichsregierung in Berlin zerschlagen worden war, ließ das neue Landesparlament des Freistaates Braunschweig 21 ehemalige Wohn- und Staatsräume auf der ersten Etage des Schlosses als Museum für fürstliche Kultur herrichten. Bereits zum Eröffnungstag am 7. März 1920 kamen zahlreiche neugierige Besucher ins Schloss, um die noch vorhandenen Möbel, Porzellane, Tafelaufsätze, Gemälde und Gobelins zu bestaunen. Einen besonderen Reiz übten die fürstlichen Wohnräume aus, ebenso der prunkvoll ausgestattete Speisesaal, der Weiße Saal. 

1920 hielt auch die Kammerspielbühne des Landestheaters im Großen Ballsaal Einzug. Am 2. Dezember des Jahres wurden die nach Berliner Beispiel eingerichteten Kammerspiele mit Goethes Urfaust eröffnet. Der Ballsaal bot Platz für 350 Zuschauer. Diese saßen sehr nahe am Bühnengeschehen, was neben dem abwechslungsreichen Spielplan zur Popularität der Kammerspiele beitrug. Bis 1928 stiegen nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Anzahl der Aufführungen kontinuierlich. 

Im Mai 1921 eröffnete das „Museum zur Volksbildung“, das spätere Naturhistorische Museum, seine Schausammlung im Schloss. Mit der Umgestaltung der Herzogsresidenz zu einer Bildungsstätte hatte das Naturhistorische Museum endlich eine neue Bleibe gefunden - im Juni 1912 war es nach dem Tod seines Direktors Wilhelm Blasius vorübergehend geschlossen worden. In den neuen Ausstellungsräumen gab es für das Naturhistorische Museum ausreichend Platz, seine Exponate angemessen zu präsentieren. Kurz nach der Eröffnung war noch der große Gartensaal als Ausstellungsfläche hinzugekommen, weitere Schlossräume folgten, 22 wurden es insgesamt. Dazu kamen noch die Räume, in denen Museumsmitarbeiter die Exponate präparierten. 

 

Neben den Museen und den Kammerspielen siedelten sich auch die Landesfinanzverwaltung, die Reichswehr und die Luftverkehrsstelle im Schloss an. Später nutzten auch die Gesellschaft der Freunde junger Kunst unter der Leitung des bedeutenden Kunstsammlers Otto Ralfs, die Institute für Philosophie und Geschichte der Technischen Hochschule und der öffentliche Rundfunk das Schloss. In den Sälen fanden Konzerte und Ausstellungen statt. Dabei handelte es sich nicht nur um Kunstausstellungen, in der Orangerie des Schlosses wurde zum Beispiel im Juni 1932 eine Luftfahrtausstellung im Rahmen der reichsweiten Luftfahrt-Werbewoche gezeigt. An weiteren Einrichtungen war auch eine Volkslesehalle geplant. Dieses Vorhaben wurde jedoch nie umgesetzt.

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