1831 bis 1840: Neubau des Schlosses unter Hofbaumeister Ottmer

Das einstige Residenzschloss Braunschweigs, der Graue Hof, lag nach der Revolution von 1830 in Schutt und Asche. Unter der Herrschaft Wilhelms entstand ab 1831 ein neues Schloss an alter Stelle. Die Gestaltung durch Hofbaumeister Carl Theodor Ottmer sollte dem neuen Herzog die ihm gebührende Geltung verschaffen und zugleich Ausdruck der Weltoffenheit Wilhelms sein. Ottmers Braunschweiger Schloss beeinflusste noch in den 1870er und 1880er Jahren die Landesbauten im gesamten Herzogtum und inspirierte darüber hinaus die äußere Gestaltung des Stadtschlosses in Brüssel sowie des Buckingham Palastes in London, zumindest was dessen Hauptfront betrifft.

Ottmers Pläne für das neue Residenzschloss sahen eine repräsentative Hauptfassade und zwei Nebenflügel vor. Die Mitte der Hauptfassade konzipierte Ottmer mit römisch-antiken Formen: Triumphtor, Tempelfront, Säulen und einer überkuppelten Rotunde. Die Flanken der Anlage zierten Freisäulen und dem Barock entlehnte Pfeilerreihen. Die weitere Fassadengestaltung folgte leicht abgewandelt der Hauptansicht: nach Norden zum Park hin reicher ausgestaltet, schlichter dagegen nach Süden und zum Hof. 

Im Juni 1831 begann der Bau des neuen Schlosses. Sechs Jahre später, im Dezember 1837, bezog der Herzog den Nordflügel. Die Einweihung des Schlosses wurde in Gegenwart des Königs von Hannover festlich begangen. Bis zur endgültigen Fertigstellung des Schlosses dauerte es weitere drei Jahre. Zunächst wurde der Hauptflügel vollendet, dann der Südflügel und die Parkanlagen auf der Nordseite des Gebäudes. Im März 1841 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Mit einer Lustspielaufführung im kleinen Schlosstheater feierte man die Einweihung des gesamten Residenzschlosses. Tatsächlich vollendet war aber nur der dreiflügelige Kernbau. Die Bauplastik, die Säulengänge um den westlichen Schlossplatz am Bohlweg und auf der Schlossrückseite und die Quadriga über dem Portikus konnten aus Kostengründen nicht umgesetzt werden. 

Im kleinen Herzogtum Braunschweig, das die wirtschaftlichen Folgen der Napoleonischen Kriege noch spürte, verhalf der Schlossbau den Gewerken zu einem beachtlichen Aufschwung. Die Residenz blieb bis zum Ende der Monarchie 1918 ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

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