Die Braunschweiger Quadriga

Die Braunschweiger Quadriga

Die Quadriga auf dem Dach des Braunschweiger Residenzschlosses stellt die Stadt- und Landesgöttin Brunonia als Wagenlenkerin dar. Sie wurde 2008 nach historischem Modell neu gegossen und folgte auf die beiden älteren Quadrigen, die im 19. und 20. Jahrhundert auf dem Residenzschloss standen, und die durch Feuer und Abriss zerstört wurden. 

Öffnungszeiten und Zugang zur Besucherplattform

Oktober-März: montags bis sonntags von 10.00 bis 16.30 Uhr
April-September: montags bis sonntags von 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr
Der letzte Einlass erfolgt jeweils eine halbe Stunde vor Schließung.
Bitte beachten Sie: Wetterbedingte Änderungen der Öffnungszeiten sind möglich.

Tickets sind zum Preis von 2 € an einem Automaten erhältlich, der sich im Eingangsbereich befindet.

Die Plattform auf dem Schloss ist über eine Treppe oder über einen Fahrstuhl mit Treppenaufgang (48 Stufen) zu erreichen. Den Aufstieg begleiten zahlreiche Bildtafeln, die die Geschichte des Residenzschlosses und der Quadriga illustrieren. Aus Sicherheitsgründen sind auf der Quadriga-Plattform maximal 100 Personen gleichzeitig zugelassen. Auf die Aussichtsplattform können keine Hunde und keine Speisen oder Getränke mitgenommen werden.

Die Quadriga, ein Geschenk der Firma Richard Borek, befindet sich im Besitz der Stadt Braunschweig, die die Besucherplattform betreibt. Die Einnahmen kommen dem Schlossmuseum Braunschweig zugute.

Öffentliche Führungen auf der Quadriga-Plattform in der Sommersaison

Quadriga. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH/Gerald GroteIllumination der Quadriga anlässlich ihres "Doppeljubiläums" am 27. Oktober 2013. Foto: SPRINGsevenDie Braunschweiger Quadriga. Foto: A. Greiner-Napp

Von April bis September bietet die Stiftung Residenzschloss Braunschweig öffentliche Führungen auf der Quadriga-Plattform an. Unter der fachkundigen Begleitung des Bauhistorikers und Schlosskenners Dr. Bernd Wedemeyer erschließt sich die Figurengruppe aus nächster Nähe - und die Architektur und Geschichte des Residenzschlosses sowie der markantesten Türme und Gebäude der Stadt „im Überblick“.

Termine:

06.04.2017 um 17:00 Uhr
04.05.2017 um 17:00 Uhr     

03.08.2017 um 17:00 Uhr
07.09.2017 um 17:00 Uhr

Anmeldung und Informationen: Schlossmuseum Braunschweig, Tel. 0531-470-4876

Kosten: 3,00 € pro Person zzgl. 2,00 € Eintritt (die Beiträge werden am Veranstaltungstag vor Ort entrichtet)

Weitere Informationen zur Quadriga und zur Aussichtsplattform unter
http://www.braunschweig.de/tourismus/ueber-braunschweig/sehenswuerdigkeiten/_quadriga.html
360°-Panorama der Besucherplattform auf den Seiten der Stadt Braunschweig:
http://www.braunschweig.de/static_assets/panoramen/quadriga_swf.html

Eine kleine Geschichte der größten Quadriga ihrer Art in Europa

  Georg Howaldt vor der Werkstatt an der Hochstraße, Frühjahr 1863. Foto: Dr. Wedemeyer: Quadriga. Das Viergespann des Residenzschlosses zu BraunschweigDer Portikus des Braunschweiger Residenzschlosses mit der Quadriga, 1863/64. Foto: Dr. Wedemeyer: Quadriga. Das Viergespann des Residenzschlosses zu BraunschweigBraunschweiger Residenzschloss, die zweite Quadriga um 1925. Foto: Dr. Wedemeyer: Quadriga. Das Viergespann des Residenzschlosses zu Braunschweig  Die zweite Quadriga auf der eingebrochenen Plattform des kriegszerstörten Braunschweiger Residenzschlosses, um 1948. Foto: Dr. Wedemeyer: Quadriga. Das Viergespann des Residenzschlosses zu BraunschweigErste Aufstellung der Pferde, Mai 2007. Foto: Schlossmuseum Braunschweig
    Geschichte der Quadriga

Als Schlossbaumeister Carl Theodor Ottmer 1831-1833 seine Entwürfe für das neue, spätklassizistische Residenzschloss entwickelte, gehörten dazu symbolische Gottheiten, die das weise und musische Regiment der Herzöge verkörpern sollten. Als Höhepunkt über dem Portikus hatte Ottmer daher ein Wagengespann mit vier feurigen Pferden vorgesehen. Als Wagenlenker wurden die Musengottheit Apollon oder auch eine Siegesgöttin vorgeschlagen. Der herzogliche Sparwille führte aber zur Vereinfachung des Schlossplanes. So entstand das Schloss 1833-1841 ohne Kolonnaden, ohne Bauplastik und ohne Quadriga.

 

Die erste Quadriga 1863-1865

Anlässlich des 25. Regierungsjubiläums von Herzog Wilhelm am 25. April 1856 entschloss sich die Landesversammlung - das Ständeparlament des Herzogtums - dazu, dem Herzog eine Quadriga und somit die Vervollständigung des Residenzschlosses nach dem Entwurf Ottmers zum Geschenk zu machen. Für die Gestaltung konnte der Braunschweiger Kunsthistoriker Carl Schiller den Dresdener Bildhauer Ernst Rietschel (1804-1861) gewinnen, der sich in Braunschweig bereits durch die Gestaltung des Lessing-Standbildes von 1849 einen Namen gemacht hatte. Am 28. April 1856 nahm Herzog Wilhelm zunächst ein kleines Tischmodell der Quadriga huldvoll entgegen.

In den weiteren Planungen von Rietschel, Schiller und dem mit der Ausführung beauftragten Braunschweiger Erzgießer und Metalltreiber Georg Howaldt wandelte sich die Wagenlenkerin Victoria zur Stadt- und Landesgöttin Brunonia um. Aus statischen Gründen entschied man sich für eine Bauweise mit einem Kupferplattengefüge über einem Eisenskelett. Von Dezember 1858 bis Anfang 1863 entstand in der Werkstatt Howaldts die erste Braunschweiger Quadriga im Maßstab 1:1.

Im November 1863 konnte die Aufstellung der Quadriga auf dem Residenzschloss gefeiert werden. Leider war ihr nur eine kurze Bestandszeit vergönnt. 1865 zerstörte ein Brand zwei Drittel des Residenzschlosses und bis auf wenige Reste auch die Quadriga.

 

Die zweite Quadriga 1868-1960

Bis 1868 fertigte Howaldt daraufhin eine zweite, etwas kleinere Quadriga an, deren Brunonia besser in die Gruppe eingebettet war. Fast unbeschadet überstand diese Figurengruppe den zweiten Weltkrieg. Ihre Haut aus den von Georg Howaldt auf das Eisenskelett genieteten Kupferplatten wurde jedoch in der Notzeit nach dem Krieg eine geschätzte Diebesbeute. Das Eisengerippe, das zurückblieb, wurde beim Abriss der Schlossruine 1960 mit vernichtet.

 

Die dritte Quadriga seit 2008

Als der Neubau des Braunschweiger Schlosses zusammen mit dem Einkaufszentrum seit Herbst 2003 klare Formen annahm, wurde auch der Plan zur Wiederherstellung der Quadriga gefasst. Das Originalmodell Rietschels, das 1999 in der Dresdener Skulpturensammlung Albertina entdeckt worden war, wurde abgegossen und diente als Grundlage für die bildhauerische Gestaltung von 1:1-Modellen mit anschließendem Bronzeguss.

In Polen fand man dafür den geeigneten Partner: die Gießerei DBA Emil Kosicki in Komorniki bei Poznań (Posen). Drei Jahre vergingen zwischen den ersten Modellen und der Aufstellung. Die Plastik wurde in einzelnen Platten von ca. 50x70cm im Wachsausschmelzverfahren aus Siliziumbronze gegossen, die anschließend verschweißt wurden. Seit dem 23.Oktober 2008 bekrönt das Viergespann mit der Brunonia, der Braunschweigischen Schutzpatronin, nun wieder das Schloss.

 

Interessantes über die Braunschweiger Quadriga

  • Mit einer Höhe von 9,2 Metern, einer Breite von 7,5 Metern und einem Gewicht von fast 26 Tonnen ist die Braunschweiger Quadriga die größte ihrer Art in Europa.
  • Die Quadriga auf dem Dach des Residenzschlosses wird von der Braunschweiger Stadt- und Landesgöttin Brunonia gelenkt. Sie ist eine Erfindung der Schöpfer der ersten Quadriga, die 1863 aufgestellt wurde.
  • Das lorbeerumkränzte „W“, das die Brunonia hält, steht für Herzog Wilhelm (1806-1884), dem die erste Quadriga anlässlich seines 25-jährigen Thronjubiläums von den Landständen und dem Oberbürgermeister geschenkt wurde.
  • Auf dem Kopf trägt die Brunonia eine Krone in Form einer Stadtmauer, die für städtische Freiheit und herzogliche Souveränität steht.
  • Die Gestalt der Göttin in ihrem zweirädrigen Streitwagen, der von einem Gespann aus vier Pferden gezogen wird, ist antiken Vorbildern nachempfunden.
  • Der Kopf der ersten Brunonia befindet sich heute im Städtischen Museum Braunschweig, ein Zeigefinger im Braunschweigischen Landesmuseum.
  • Eine verkleinerte Replik der zweiten Braunschweiger Quadriga wurde 1893 auf der Weltausstellung in Chicago präsentiert und befindet sich heute in Seesen.

Text: Dr. Bernd Wedemeyer / bearb. Anne-Kristin Rullmann